Jülicher Klippe für ehrenamtliches Engagement

September 2, 2015

 

Am 01. September hat die Jülicher SPD die Jülicher Klippe vergeben. Eine Auszeichnung für ehrenamtliches und soziales Engagement in Jülich, mit der in diesem Jahr das Team des Mittagstisches aus dem Bonhoeffer-Haus ausgezeichnet wurde. Auf Einladung der SPD durfte ich die Laudatio bei dieser Veranstaltung halten – eine Bitte, der ich mit Freude nachgekommen bin, weil ehrenamtliches Engagement für mich eine wesentliche Stütze unseres Zusammenlebens ist.

 

 

 

 

 

Hier können Sie meine Laudatio auf die Preisträger nachlesen:

 

 

Laudatio von Frank Peter Ullrich

zur Verleihung der „Jülicher Klippe“

am 01. September 2015

an das Team „Der Mittagstisch“

 

--- Es gilt das gesprochene Wort ! ---

 

Meine Damen und Herren,

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so steht es in unserem Grundgesetz gleich im ersten Artikel geschrieben. Und doch ist dieses oberste Prinzip staatlichen und gesellschaftlichen Handelns fortwährend in Gefahr. Denn die Würde so vieler Menschen ist angetastet. Menschen, die nicht ausreichend Erfolg und Glück im Leben haben, können schnell ihre Würde verlieren in einer Gesellschaft, die den Wert eines Menschen an seiner Karriere und an seinem Einkommen misst.

Es gibt sehr viele Menschen, die nicht das Glück, nicht das Geschick und nicht den Erfolg haben, sich in unserer Gesellschaft einfach alles kaufen können, was sie zum Leben brauchen. Hier geht es nicht um Luxus, sondern um Nahrung, Kleidung, ein Dach über dem Kopf und um die Begegnung mit anderen Menschen. Es geht um die grundlegenden Bedürfnisse, die jeder von uns hat, um überleben zu können. Oftmals müssen diejenigen, die nicht alles Notwendige haben, die bittere Erfahrung der sozialen Armut erleben. Soziale Armut kann jeden von uns treffen. Arbeitslosigkeit, Krankheit, der Verlust des Lebenspartners oder die Pflege von Familienmitgliedern können uns in die soziale Armut treiben.

Der Staat kann hierbei nur bedingt unterstützen. Er kann Geld zur Verfügung stellen.

Doch Geld alleine reicht nicht aus. Wichtig sind auch Hilfestellungen im Alltag, die Menschen dabei unterstützen können, ihre Schicksalsschläge, ihre Kraftlosigkeit und Verwirrung zu ertragen und später vielleicht auch zu überwinden, neuen Mut zu schöpfen, einen neuen Anlauf zu nehmen und immer wieder nach Wegen aus der sozialen Armut zu suchen. Solange das aber noch nicht gelingt, brauchen diese Menschen verlässliche Hilfe, Hilfe von Menschen, die ehrenamtlich für sie da sind.

Auch diejenigen, die keine finanziellen Sorgen haben, leben nicht sorgenfrei.

Immer mehr Menschen leben alleine. Freiwillig alleine oder infolge des Verlustes des Partners oder der Partnerin, darauf kommt es nicht an. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht die Gesellschaft anderer Menschen, um sich austauschen zu können. Wir müssen Begegnungsstätten schaffen, um denen, die alleine leben, das Zusammentreffen und das Gespräch mit anderen Menschen zu ermöglichen.

Und so können wir dankbar sein, dass es Menschen unter uns gibt, die vollehrenamtlich dafür tätig sind, dass diejenigen, die wenig Geld zur Verfügung haben, und diejenigen, die alleine sind, eine Begegnungsmöglichkeit in Jülich haben.

 

Wir ehren heute das Team des „Mittagstisches“, das seit 18 Jahren jeden Montag um 12.30 Uhr im Bonhoefferhaus eine frisch zubereitete warme Mahlzeit anbietet. Einen Nachtisch gibt es auch noch dazu.

Der „Mittagstisch“ ist eine konkrete und verlässliche Hilfe für rund 60 Menschen. Er nutzt einen öffentlichen Raum, das Dietrich-Bonhoeffer-Haus. Das ist kein Hinterhofmilieu, kein sozialer Brennpunkt.

Jeder ist herzlich willkommen. Nationalität und Konfession spiele keine Rolle. Es kommen Menschen vom Schlossplatz, allein stehende Rentnerinnen und Rentner, oder auch Menschen, die einfach lieber in Gemeinschaft mit anderen Menschen essen wollen.

Einen Preis für das Essen gibt es nicht. Ein kleiner leerer Kochtopf wird herumgereicht, und jeder legt so viel Geld herein, wie er kann oder will. Irgendwie reicht der eingesammelte Betrag dann schon zur Deckung der Ausgaben für das Essen. Und ich vermute, wenn es einmal nicht reicht, werden Sie es uns nicht wissen lassen.

Der Mittagstisch setzt nicht nur auf Versorgung oder gar Abspeisung, sondern auf das Gemeinschaftserlebnis des Essens. So sind die Menschen, die zum Mittagstisch kommen, nicht allein mit ihren Sorgen. Sie erleben sich als große Gruppe. Es ist nicht peinlich, dabei zu sein, sondern normal, geradezu familiär, denn man kennt sich und muss nichts voreinander verbergen. Die Menschen, die hier miteinander essen, suchen nicht den Unterschied, sondern das Verbindende in ihrem Leben.

Fünf Frauen und ein Mann leisten diese wichtige Arbeit. Frau Walburga Mertens koordiniert den „Mittagstisch“. Zum Team gehören Frau Rosemarie Schröder, Frau Christiane Petrasek, Frau Friedel Gerwin und Frau Elke Winkelbrandt. Herr Klaus Strobelt komplettiert das Team.

Danke für Ihren persönlichen und zuweilen zeitaufwendigen und anstrengenden Einsatz, Ihr Organisationstalent, Ihre Kreativität und Ihre Freude an der Arbeit.

Ich weiß, dass Sie sich Unterstützung von weiteren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern wünschen. Eine Verjüngung des Teams streben Sie auch an. Mit der Verleihung der „Jülicher Klippe“ erzeugen wir Aufmerksamkeit für Ihre Arbeit und bestimmt auch Interesse an der Mitarbeit. Eigentlich müssten jetzt die Interessenten bei Ihnen Schlange stehen. Ich werde jedenfalls auch für Ihre Arbeit werben.

Sie machen Jülich mit Ihrem Einsatz noch ein Stück besser und menschlicher. Ich bin stolz darauf, Sie in dieser Stadt zu wissen.

Als Zeichen der Anerkennung erhalten Sie heute die „Jülicher Klippe“.

Herzlichen Glückwunsch und machen Sie bitte weiter mit Ihrer Arbeit.

 

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